Johann Heinrich Wilhelm Geißler (1814 - 1879)

Johann Heinrich Willhelm Geißler

Der im Familienbetrieb (Heimarbeit) ausgebildete Glasbäser, lediglich mit den in einer Einklassen - Wandelschule erworbenen Kenntnissen ausgestattet, vervollkommnete seine glasbläsertechnischen Fähigkeiten und sein naturwissenschaftliches Verständnis bei den Aufenthalten in München, Ulm und Bonn in den 1830er Jahren, aber auch in Holland (Den Haag) in den 1840er Jahren.

Entscheidend war die dauerhafte Niederlassung in Bonn anfang der 1850er Jahre mit der Gründung einer glasbläsertechnischen Werkstatt. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Bonn konnte er seine Fähigkeiten bei der Entwicklung und Andertigung von Instrumenten für Physikalische Untersuchungen unter Beweis stellen und durch eigene Experimente zu wissenschaftlichem Fortschritt beitragen.

So hoben die Wissenschaftler Prof. Plücker und Dr. Meyer vom Physikalischen Institut der Universität Bonn die Genauigkeit der von Geißler hergestellten Thermometer hervor.

Geißler-Röhre aus der ständigen Ausstellung

Die Zuerkennung einer Gold- medaille auf der Weltausstellung in Paris 1855 für mehrere glas- technische Produkte wegen "Genauigkeit und seiner hohen Empfindlichkeit" unterstreichen Geißlers Fähigkeiten.

Die um 1857 durchgeführten Untersuchungen mit Niederdruck-Gasentladungsröhren (Geißler - Röhren), ermöglicht auch durch die von Geißler entwickelte Vakuumpumpe, führten zu neuen Erkenntnissen auf dem Forschungsfeld der Gasentladungsphysik. Die Fortführung dieser Experimente, auch an anderen Universitäten, zeitigte schließlich die Entdeckung der Röntgen- strahlen 1895 und stieß das Tor zur Atom- und Kernphysik auf.

Der bei allen Erfolgen bescheiden lebende Mann konnte die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn 1868 als Würdigung seiner Leistungen erleben. 

Originale Geissler-Röhren aus den Jahren 1857/58 für Spektralunterssuchungen

Die unmittelbar nach seinem Tod vom Präsidenten der Deutschen Chemischen Gesellschaft A.W. von Hofmann ausgesprochenen Gedenkworte charakterisieren Geißlers Wirken sehr eindrücklich:

"Keiner aber, außer demjenigen, der mit Geißler persönlich verkehrt hat, wird auch nur annähernd die Verdienste Beurteilen können, welcher sich dieser treffliche, anspruchslose Mann durch die Ausbildung und Ausführung von Instrumenten erworben hat, für welche ihm von Chemikern und Physikern oft nur ganz allgemeine Andeutungen gegeben worden sind. NIcht selten ist der Fall vorgekommen, dass diejenigen, welche Geissler für die Verwirklichung eines von Ihnen erdachten Instruments gewonnen hatten, ihre eigenen Gedanken kaum wiedererkannten, so viel hatte der Künstler von Eigenem dazugegeben."  

Weitere Informationen zum Leben und Wirken Heinrich Geißlers sowie auch einige Exponate finden Sie auch im historischen Glasapparatemuseum in Cursdorf.

www.glasapparatemuseum.de